Wie YouTube wirklich funktioniert. Erklärt von: Der Schlaumacher

Schlaumacher

Eine YouTube Fangemeinde aufzubauen geht einfach? Von wegen. Der Schlaumacher erklärt wie das soziale Netzwerk wirklich tickt.

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist David Peter, ich bin 27 Jahre alt und komme aus dem schönen Hamburg. Ich mache mich zurzeit im Bereich Social Media und Videoproduktion selbstständig. Geplant sind Social Media Seminare und auch kleinere Videoproduktionen für Unternehmen. Parallel dazu betreibe ich einen YouTube-Kanal. Der Kanal heißt „Der Schlaumacher“ und er befasst sich mit allerlei populärwissenschaftlichen Themen. Es geht mir vor allem darum, den Leuten ihre Umwelt wieder näher zu bringen, und dass sie eine gewisse Neugier entwickeln. Denn Neugier und Forscherdrang ist eine der Antriebsfedern des Lebens und bereichert es ungemein.

Wie bist du auf das Konzept des Schlaumachers gekommen? Warum fokussierst du dich auf sogenannte Life-Hacks?

Tatsächlich war die ursprüngliche Idee einen reinen Life-Hack-Kanal aufzubauen. Das war Anfang 2014, wo Life-Hacks im Netz immer populärer wurden und ich selbst eine gewisse Faszination dafür entwickelte. Einen gewissen viralen Effekt kann man ihnen natürlich auch nicht absprechen. Aber wie das immer so ist im Leben, kamen andere wichtigere Dinge erstmal dazwischen, sodass ich erst im Frühjahr 2015 mit dem Kanal startete. Ich entwickelte das Konzept weiter und ergänzte die Life-Hacks um weitere Themengebiete. So umfasst mein „Programm“ verschiedene Formate: Einerseits die Life-Hacks, andererseits aber auch Formate, in denen ich Antworten auf interessante Fragen gebe, in denen ich Kurioses aus aller Welt präsentiere oder Ratschläge zu psychologischen Themen gebe, die meine Zuschauer bewegen. Das geht dann eher in die Richtung „Persönlichkeitsentwicklung“. Von daher kann man nicht sagen, dass ich mich nur auf Life-Hacks fokussiere. Meine Themen stehen eher unter dem Motto „alles, was man in der Schule nicht lernt“.

Warum hast Du dich bei YouTube angemeldet und wann war das?

Prinzipiell würde ich sagen, dass man sich bei YouTube anmeldet, um Teil der Community zu sein, um mit anderen zu interagieren, um Videos zu bewerten und Kommentare zu schreiben. Ich persönlich hatte in der Vergangenheit schon mehrere YouTube-Konten, deren Erstellung unterschiedliche Gründe bzw. Zielsetzungen hatte. Mein aktuelles Konto wurde im April 2014 eröffnet und diente vornehmlich der Aktivität als Video-Publisher.

Wie hast Du es deiner Meinung nach geschafft über 10.000 Abonnenten zu generieren?

Bevor ich im März 2015 angefangen habe den Kanal aktiv zu betreiben, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Ich muss dazu vielleicht auch sagen, dass ich ursprünglich aus einer Werbeagentur komme und entsprechende Interessen und Fähigkeiten mitgebracht habe. Letztendlich bin ich für YouTube-Verhältnisse sehr professionell rangegangen. Insgesamt kann man aber sagen, dass der hauptsächliche „Erfolgsfaktor“ war, dass ich aktiv auf anderen Social Media Plattformen unterwegs bin, wo sich meine Zielgruppe befindet und dass ich relevanten Content geliefert habe. Wie sagte schon Henry Ford: „Wer nicht wirbt, stirbt.“ Ich kenne viele YouTuber, die tolle Videos produzieren, diese dann hochladen und hoffen, dass sie entdeckt werden. Da hat man dann nach einem halben Jahr vielleicht 200 Abonnenten, wenn man Glück hat. Aufgrund der schier unglaublichen Menge an Videos auf YouTube, muss man sein Glück schon selbst in die Hand nehmen. 😀

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Misst Du deinen Erfolg? (Social Analytics) Wenn ja, welches Tool benutzt Du?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich bei der Strategieplanung ein Stück weit auf mein Gefühl verlasse, weil man nach einiger Zeit einfach merkt, was gut läuft und was nicht. Empathie für die Zielgruppe ist hier das Stichwort. Da mein Fokus auf dem Aufbau einer größeren Reichweite liegt, ist für mich momentan tatsächlich noch der Anstieg der Abonnenten, Views auf einem Video und die Bewertung der Zuschauer (Daumen hoch, runter) am entscheidendsten. Die Viewanzahl verrät mir, ob das Thema die Leute interessiert bzw. ob der Titel und das Thumbnail ansprechend sind. Die Bewertung zeigt mir, ob die Umsetzung gelungen ist. Der Anstieg der Abonnenten zeigt mir, ob der Gesamteindruck stimmt, sodass die Leute gerne mehr sehen würden. Das direkte Feedback in den Kommentaren ist da natürlich auch recht aufschlussreich. Es gibt glaube ich unzählige Möglichkeiten der Erfolgsmessung. Das ist in einem großen Unternehmen sicherlich wichtig, weil man „auf seine Zahlen kommen muss“, um das Teamziel zu erreichen. Ich bin zum Glück da niemandem außer mir selbst Rechenschaft schuldig. Wenn ich merke, dass es insgesamt nicht so gut läuft, mache ich eine Analyse, woran es liegen könnte oder ich frage mal Freunde nach ihrer Meinung. Und dann versuche ich das zu ändern. Dazu brauche ich aber keine umfangreichen Analysetools, denn letztendlich liegt es in 99% aller Fälle daran, dass den Leuten meine Videos nicht gefallen. Meistens kann man den Grund aus den Kommentaren ablesen. Ansonsten kann ich prinzipiell das built-in Analyse Tool bei YouTube empfehlen.

Wie funktioniert YouTube? Und wie fühlt es sich an ein YouTuber zu sein?

Tja, das ist eine gute Frage. Es kommt immer darauf an, welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Allgemein kann man das so nicht sagen. Letztendlich kann man es stumpf runterbrechen auf: YouTube ist wie Fernsehen, nur mit einer zusätzlichen Interaktionsmöglichkeit und dabei ständig abrufbar. Inhaltlich funktioniert es genauso wie jedes andere Medium, egal ob Internet, TV oder Print. Die besten Quoten bekommt man mit reißerischen Titeln, großen Emotionen und einer gesunden Portion Voyeurismus. Klar regen sich viele auch darüber auf, aber man regt sich auch über die BILD auf…trotzdem ist sie die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands. Wie es sich anfühlt YouTuber zu sein? Ich bin ja noch relativ „klein“ was das angeht. Deswegen merke ich jetzt keinen Unterschied zum „normalen“ Leben. Für mich bedeutet es momentan einfach ein Teil einer Gemeinschaft zu sein, die ein Hobby teilt.

Wie ist das Verhältnis unter den YouTubern?

Das ist natürlich so, wie unter allen Menschen. Mit manchen kommt man besser, mit manchen weniger gut klar. Manche gönnen einem nichts und von manchen wird man unterstützt. YouTube ist auch einfach nur ein weiteres soziales Gefüge, wenn man es so will. Grundsätzlich lebt aber YouTube von der Interaktion und Kollaboration seiner Mitglieder. Aber auch „Beef“ kann manchmal förderlich „fürs Geschäft“ sein. „Schlechte PR ist auch PR“ denken sich da wohl manche größeren YouTuber. Ich persönlich setze mich aber aktiv für ein gutes Verhältnis unter YouTubern ein, weswegen ich auch eine YouTuber-Community in Hamburg aufbaue. Gerade als kleiner YouTuber ist man oft alleine, weil es schwierig ist, Gleichgesinnte zu finden, die auch noch am Anfang stehen. Große YouTuber sind allen bekannt, kleine kennt keiner. Deswegen veranstalte ich monatlich YouTuber-Treffen in Hamburg, wo YouTuber zusammen kommen, sich austauschen und Kooperationen vereinbaren können. Das wird auch sehr gut angenommen, denn leider wird hier in Hamburg noch sehr wenig im Bereich Web-Video angeboten.

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Was fasziniert dich an YouTube?

Wahrscheinlich ist es die Möglichkeit auf recht einfache Weise potentiell sehr viele Menschen erreichen zu können. Wahrscheinlich ist es der Urwunsch des Einzelnen, dass seinem Reden und Wirken mehr Gewicht beigemessen wird. Mich fasziniert aber auch das enorme Wachstum, was YouTube in den letzten Jahren vollbracht hat. Es gab Anstoß für eine neue Art des Videokonsums. Programme können selbst gestaltt oder nach eigenen Interessen zusammengestellt werden. Video-On-Demand ist nicht mehr wegzudenken. Interessant ist auch, was für ein Phänomen und welche Industrie sich um YouTube herum entwickelt hat. Ich muss sagen, ich bin jemand, der sich sehr für soziale Interaktionen und Kommunikation interessiert. Deswegen ist dieser ganze Komplex YouTube für mich interessant.

Was hältst du von Dagibee & Co.?

Lustige Frage. Ich bin, glaube ich, zu alt und reflektiert, als dass mich Dagibee & Co. groß tangiert. Ich denke, dass muss man aus zwei Sichtwinkeln betrachten. Es ist für viele Menschen nicht einfach mit plötzlichem Ruhm zu Recht zu kommen. Das kann man ja in der Musikwelt öfter beobachten. Deswegen denke ich, dass die sogenannten „YouTube Stars“ teilweise Verhaltensweisen an den Tag legen, die oft einfach der Unwissenheit und vielleicht auch der fehlenden Reife zuzuschreiben sind. Wenn man sich beispielsweise Erik Range aka Gronkh anschaut, stellt man schnell fest, dass dort die Dinge etwas anders laufen. Ist vielleicht auch eine Frage der Persönlichkeit. Wenn eine Dagibee wegen ihrer plumpen Produktplatzierungen angegriffen wird, muss ich sagen, dass ich ihr Verhalten aus wirtschaftlicher Sicht verstehen kann. Allerdings hätte ich es vielleicht etwas strategisch klüger und diplomatischer gelöst. Wie heißt es schon bei Spiderman: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“. Aber als unbeteiligter Dritter ist man meistens klüger. Von daher bilde ich mir nicht wirklich ein Urteil über „Dagibee & Co.“

Inzwischen kommen bestimmt auch Unternehmen auf dich zu, um mit dir zu kooperieren. Kannst Du uns ein paar Beispiele nennen? Nach welchen Kriterien entscheidest Du, ob Du eine Kooperation eingehst?

Haha…da muss ich dich leider enttäuschen. Mit knapp über 10.000 Abos ist man noch nicht sonderlich interessant für Unternehmen. Ich habe mal bei einer kleinen Aktion mitgemacht, wo es um einen Kinofilm ging. Aber das war es dann auch schon. Die Kriterien kann ich dir aber hypothetisch dennoch nennen. Ich würde danach entscheiden, ob es zu meinem Content passt und ob ich es so einbinden könnte, dass es nicht so werblich rüberkommt. Denn die Leute wollen keine Werbung sehen, wenn sie die Videos schauen. Ich denke mal, dass die meisten so entscheiden würden.

Kannst du von deinem Engagement auf YouTube leben?

Nein. Eine Faustregel, die Christoph Krachten mal anbrachte war, dass man etwa ab 1 Mio Aufrufe im Monat davon leben könne. Andere Stimmen im Netz sprechen von ca. 1€ pro 1000 Aufrufe. Das kann ich bisher nicht bestätigen, aber ich denke, das gilt auch tendeziell eher für größere Kanäle.

Welche Tipps würdest Du Unternehmen geben, die frisch mit YouTube beginnen?

Wie schon etwas weiter oben erwähnt: Die Zuschauer wollen kein zweites Werbefernsehen. Sie wollen interessanten Content. Deswegen ist es am sinnvollsten, Videos zu produzieren, die für den Zuschauer einen (meist unterhaltenden) Mehrwert bieten. Wenn ein Unternehmen einen eigenen Kanal betreibt, sollte dieser weniger als Absatzkanal und viel mehr als Imagepflege betrachtet werden. Die meisten Kanäle von Unternehmen sind nicht sehr gut. Das liegt aber wahrscheinlich auch eher an fehlenden Ressourcen und der noch nicht gewonnen Erkenntnis, dass man YouTube sinnvoll einsetzen kann. Viele laden einfach ihre Webespots hoch oder Videos mit deutlich werblichem Charakter. Wenn man sich gute virale Videos von Unternehmen anschaut, dann haben sie meist keinen oder nur einen sehr geringen werblichen Charakter. Ein gutes Beispiel, das ich immer noch feiere war das „Trojan Mailing“, das Jung von Matt für DHL gemacht hat. Das hatte ein bisschen die Art von einem „Prank“, die momentan recht beliebt sind. Insgesamt würde ich mir einfach mal anschauen, was erfolgreiche Formate auf YouTube sind und ob man diese für sich nicht sinnvoll nutzen kann.

Wie läuft dein Kreativprozess ab?

Ich würde mal behaupten, dass meine Formate nur ein geringes Maß an Kreativität erfordern. Meine Arbeit ist eher die eines Redakteurs, der sich interessante Themen für seine Artikel sucht. Ich habe ein kleines Dokument in der Cloud, auf das ich über den PC oder das Handy jeder Zeit zugreifen kann. Dort schreibe ich mir immer Themen auf, sobald sie mir in den Sinn kommen. Sei es mal bei einem Ausflug, beim Shoppen oder bei einer Familienfeier. Dann muss ich nicht so viel nachdenken, wenn ich eine gute Idee brauche. Ansonsten orientiere ich mich meist noch am Zeitgeschehen. So habe ich beispielsweise Videos im Zusammenhang mit der Sonnenfinsternis in diesen Jahr oder dem Interview von LeFloid und Angela Merkel gemacht.

Wie viel Zeit fließt wöchentlich ca. in deinen YouTube Auftritt?

Der Zeitaufwand für den Kanal variiert abhängig, wie viel ich sonst noch zu tun habe und wie aufwändig die Videos sind. Ich bilde da auch mit etwa fünf Videos die Woche schon eine Ausnahme. Den Aufwand würde ich auf etwa 20 Stunden die Woche bemessen…wahrscheinlich sogar mehr, wenn ich noch mein Wirken in den diversen sozialen Netzwerken hinzurechne.

Wem folgst du am liebsten auf YouTube?

Ich muss sagen, dass ich ein großer Fan von YouTubern bin, die so richtig hirnverbrannten Humor machen und wo die Videos aussehen, als haben sie sich einfach einen Camcorder geschnappt, sind mit Freunden rausgegangen und haben einfach losgedreht. Da kommen dann Erinnerungen auf, wie es früher war, als man noch Videos für sich selbst gemacht hat…hachja…früher 😀 Ansonsten finde ich die Videos des Kanals Vivi&Denny sehr gut. Die sind hingegen sehr professionell gemacht und bis ins kleinste Detail durchgeplant. Natürlich schaue ich auch die Videos der Leute, mit denen ich auf YouTube mehr zu tun habe. Und mein All Time Favorit zum Entspannen und vom Einschlafen schauen ist Gronkh. Da bin ich ganz Mainstream. Er macht das einfach souverän und ist so sympathisch dabei.

Bist du noch in anderen sozialen Netzwerken aktiv, wenn ja wo?

Ich bin in diversen sozialen Netzwerken aktiv. Ich bin vor allem in den Klassikern unterwegs: Facebook, Instagram und Twitter. Pinterest habe ich mal ausprobiert aber das ist im deutschen Markt noch nicht so angekommen. Ansonsten nutze ich noch indirekt Tumblr. Allerdings habe ich einfach mein Instagram-Profil mit Tumblr gekoppelt, sodass ich meine (doch recht zahlreichen) Instagram-Posts einfach mit einem Klick auch auf Tumblr teile.

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Was ist im Social Web gerade Trend?

Das Thema dieses Jahres ist wahrscheinlich Streaming. Die Plattform YouNow hat durch diverse YouTuber einen Aufschwung erhalten. Zwischenzeitlich wurde auch mal die Streaming-App Meerkat gehyped und Twitter hat seine App Periscope auf den Markt gebracht. YouTube hat jetzt selbst die Streaming Funktionen verbessert, befindet sich aber gerade noch in der Betaphase. Ansonsten sind Instagram und Snapchat weiterhin auf dem Vormarsch.

Hast Du noch einen Insider Tipp für uns?

Hmm…Insider Tipp in Bezug auf YouTube wäre: Wenn Unternehmen YouTuber bezüglich Kooperationen ansprechen, sollten sie sich vorher eingehend über den YouTuber und seine Videos informieren. Es kommt nämlich meistens nicht so gut an, wenn man feststellt, dass sich die Unternehmen nicht wirklich mit der Materie auseinandergesetzt haben. Ich denke, dass viele noch denken, dass YouTuber ein Werbemedium sind, das man einfach buchen kann. Ansonsten empfehle ich Kooperationen mit Instagram Seiten. Auf Instagram kann man in Bezug auf die potentielle Reichweite noch sehr günstig werben.

Hier geht’s zu den Social Media Profilen von: Der Schlaumacher.
YouTube, Facebook, Instagram, Twitter

 

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