Wie der norwegische Grafikdesigner @geeohsnap mit Snapchat erfolgreich wurde [Interview]

Snapchat

Er bekommt pro „Snap“ durchschnittlich 42.000 views und ist vor allem durch sein „Random People Project“ bekannt. Der norwegische Snapchat-Künstler @geeohsnap ist längst etabliert und hat eine große Fangemeinde. Ich sprach mit ihm über seine Anfänge, wieso Unternehmen Snapchat nutzen sollten und was seine Zukunftspläne sind.


Snapchat ist das derzeit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk, mit mittlerweile weltweilt über 200 Millionen Nutzern. Auch in Deutschland entwickelt sich Snapchat immer mehr zu einem Massenphänomen. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht Jugendliche nicht mehr „Facebooken“ sondern „Snapchatten“. Ein Grund für diese Entwicklung sind hierzulande die großen deutschen YouTube Stars, die mittlerweile alle auf Snapchat vertreten sind. Die YouTuber nutzen Snapchat vor allem, um sogenannte Vloggings (Video-Bloggings) zu erstellen. VLogs (tägliche Video-Tagebücher) bieten den Youtubern eine gute Möglichkeit, um mit den eigenen „Fans“ zu interagieren. Laut Online Marketing Rockstars erreichen die YouTuber pro Snap bis zu 170.000 User. Das Snapchat allerdings nicht nur von YouTube-Stars genutzt wird, belegen diese Zahlen: Innerhalb eines Jahres (2014) konnte Snapchat die Zahl der aktiven Nutzer um 57% steigern. Rund 51% der Nutzer sind 16 – 24 Jahre alt. In den USA ist Snapchat schon heute das relevanteste Social Network vor Facebook, Instagram und Twitter. Kein Wunder das Mark Zuckerberg Snapchat im Winter 2013 für 3 Milliarden US Dollar übernehmen wollte. Evan Spiegel der Snapchat-Gründer und CEO ließ ihn allerdings abblitzen.

Wie funktioniert Snapchat?

Snapchat Screenshot

(Startbildschirm von Snapchat)

1. (Oben links) Blitz
2. (Oben Mitte) Profil
3. (Oben rechts) Kamera

4. (Unten links) Inbox
5. (Unten Mitte) Snap aufnehmen
6. (Unten rechts) Snapchat Stories

Die in Snapchat erstellen und gesendeten Fotos und Videos sind maximal 10 Sekunden sichtbar. Darüber hinaus können alle eigenen Snaps des Tages gesammelt und unter der eigenen „Snapchat Story“ für 24 Stunden sichtbar gemacht werden. Im Gegensatz zu normalen Snaps können die Inhalte der Story immer wieder angesehen werden, bis sie sich genau einen Tag nach Veröffentlichung „selbst zerstören“. In diesem Punkt unterscheidet sich Snapchat von anderen sozialen Netzwerken, die Informationen dauerhaft speichern bzw. abrufbar machen. Es gibt beispielsweise keine „Timeline“ wie in Facebook, auf der die eigenen Inhalte automatisch abgelegt werden. Abrufbar ist immer nur der jeweils neueste Snap bzw. die neueste Story.
 
Snapchat für Unternehmen
In den USA wird Snapchat sogar schon von vielen Unternehmen eingesetzt. Marken wie Taco Bell, Mondelez, General Electric, NBA etc. sind Vorreiter. Deutsche Marken haben sich bisher noch nicht auf Snapchat getraut. Dabei bietet Snapchat die Möglichkeit eine besonders junge Zielgruppe anzusprechen.
 
Snapchat Discover
Snapchat Discover ist eines der neueren Features des sozialen Netzwerkes. Snapchat ist dafür Partnerschaften mit Unternehmen wie CNN, Cosmopolitan, Vice oder ESPN eingegangen, die auf diesen speziellen Kanälen exklusive zielgruppengerechte Snapchat-Inhalte veröffentlichen dürfen.
 

Interview mit @geeohsnap (Keep Smiling)

Der norwegische Snapchat-Künstler „geeohsnap“, ist vor allem für sein „Random People Project“ bekannt. Dafür fotografiert er unbekannte Leute auf der Straße und zeichnet fantasievolle Umgebungen um sie herum.
 
Geeohsnap
 

Was ist an Snapchat so besonders?

Ein „Snap“ ist nur für maximal 10 Sekunden sichtbar, eine „Snapchat-Story“ für 24 Stunden. Genau darin liegen der Reiz und die Faszination. Mit Snapchat ist es möglich, einen Moment zu erschaffen, der nur eine begrenzte Zeit existiert, genau wie im echten Leben. Du kannst deine „Snaps“ mit wildfremden Menschen auf der ganzen Welt teilen und sie mit deinen Inhalten berühren.
 

Wie bist Du auf die Idee des „Random People Project“ gekommen?

Als kreative Person bin ich immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um mich auszudrücken. Das „Random People Project“ entstand aber eigentlich per Zufall. Ich wartete am Flughafen auf meinen Flug, der sich mal wieder verspätetet hatte und bemerkte neben mir einen Mann, der gelangweilt auf seine Zeitung starrte. Es kam mir so vor, als wollte er jetzt gerade woanders sein. Ich dachte mir also: „Was ist, wenn ich ihn wirklich an einen anderen Ort bringen könnte?“ Ich habe ihn fotografiert und nach ein paar Kritzeleien saß er in einer Rakete, die auf dem Weg zum Mond war.
 

Erzähl uns sein bisschen über deinen Kreativprozess.

Jeder „Snap“ hat den gleichen Entstehungsprozess. Als Grundlage nehme ich immer das schon geschossene Foto. Ich studiere das Bild und überlege mir einen Ort, eine Geschichte oder eine Begegnung, die zu dem jeweiligen Foto passt, erst dann fange ich an zu zeichnen. Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, stelle ich den „Snap“ fertig, bin ich nicht zufrieden überlege ich mir eine neue Geschichte. Mit der Zeit bekommt man so ein Gefühl dafür, welche „Snaps“ funktionieren könnten und welche nicht. Es ist wichtig, die eigene Arbeit auch von Zeit zu Zeit kritisch zu hinterfragen ansonsten läuft man Gefahr alles zu positiv zu sehen.

 

Würdest Du deine Arbeit als moderne Kunst bezeichnen?

Ein Magazin hat mich mal als digitalen Graffiti-Künstler bezeichnet. Ich mag die Umschreibung und denke, dass sie zu mir passt. Ich verändere die Wirklichkeit und gebe ihr eine neue Dimension. In diesem Kontext würde ich meine Arbeit schon als moderne Kunst bezeichnen.
 
Geeohsnap
 

Deine Zeichnungen sind sehr detailliert. Wie lange brauchst Du für jeden “Snap”?

Zwischen 10 und 30 Minuten. Solange eine durchschnittliche Busfahrt dauert. Früher musste ich immer mit dem Bus zur Arbeit. Ich wollte während dieser Zeit aber nicht einfach nur aus dem Fenster schauen, sondern produktiv und kreativ sein. Deshalb sind meine älteren „Snaps“ auch immer an Bushaltestellen entstanden.
 

Wie viele „Views“ bekommst Du pro „Snap“?

Letztens hatte ich innerhalb von 24 Stunden über 48.000 „views“. Die Zahl steigt aber jeden Tag, da immer neue Follower dazu kommen.
 

Welche Strategie verfolgst Du in den sozialen Medien?

Ich bin immer positiv eingestellt und erzähle Geschichten, die gute Laune verbreiten. Meine Strategie ist es, die Menschen zu unterhalten und sie zum Schmunzeln zu bringen.
 
Geeohsnap3
 

Hast Du Tipps für kleine und mittelständische Unternehmen, die Snapchat nutzen möchten?

Seien Sie kreativ und teilen Sie inspirierende und unterhaltende Geschichten. Haben Sie keine Angst davor Ihre Marke oder Ihr Unternehmen von einer anderen Seite zu zeigen. Erstellen Sie Inhalte, die Spaß machen, interessant sind und machen Sie nie den Fehler nur auf „werbliche“ Inhalte zu setzen.
 

Welche Apps benutzt Du am meisten? Können wir mal einen Blick auf deinen Home-Screen werfen?

Snapchat ist natürlich, die App, die ich am meisten benutze. Danach kommt Instagram, Facebook, Twitter und Spotify. Alle Apps die etwas mit Social Media und Musik zu tun haben stehen bei mir hoch im Kurs.
 
Geeohsnap (Home-Screen)
 

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Ich möchte auch in Zukunft Geschichten erzählen, die Menschen zum Lachen bringen. Meinen Vollzeitjob als Grafikdesigner werde trotz des Erfolgs natürlich nicht aufgeben. Ich schreibe gerade an einem Buch und werde eine Print-Serie meiner Illustrationen veröffentlichen.

Vielen Dank für das Gespräch

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