Die deutsche Fernsehlandschaft ist in einem schlechten Zustand. Die Zuschauer werden im Durchschnitt immer älter, Angebote für die Zielgruppe der Generation Y gibt es nur eine Handvoll und auch die Werbeblöcke finden immer weniger Beachtung. Die Fernsehsender schaffen es schon lange nicht mehr vor allem junge Zuschauer mit interessanten, fordernden Inhalten zu binden. Warum Unternehmen die letzte Hoffnung auf Besserung sein könnten, erkläre ich in diesem Beitrag.

 

1. Fernsehwerbung wird nicht mehr angeschaut

Laut einer Studie spulen 90% der Fernsehzuschauer die Werbung vor, wenn sie eine Serie oder einen Film mittels Digital Recorder aufgenommen haben. Seien Sie ehrlich, schalten Sie nicht auch lieber um, wenn Werbung läuft oder widmen sich Ihrem Smartphone? Besonders die Generation Y ist in der Werbepause lieber auf Twitter unterwegs als aktiv Werbung zu konsumieren.

2. Die Zuschauer werden immer älter

Obwohl der Fernsehkonsum insgesamt auf ähnlichem Niveau bleibt werden die Zuschauer immer älter. Sogar der durchschnittliche RTL-Zuschauer ist bereits 46 Jahre alt. Tendenz steigend.

Statistik: Durchschnittsalter der Zuschauer der einzelnen Fernsehsender in Deutschland von April 2010 bis März 2011 | Statista
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3. Es gibt keine guten Inhalte

Unternehmen sollten darauf achten, welche Werte im TV vermittelt werden und ob die Markenpräsenz in diesem Umfeld eher schadet oder fördert. Die gesellschaftliche Verantwortung erzeugt Druck den Unternehmen nicht ignorieren sollten. Eigene transparente, unabhängige und qualitativ hochwertige Inhalte zu produzieren wird immer wichtiger. Unternehmen müssen sich die Frage beantworten ob das buchen von Werbefläche im TV und Internet noch den gewünschten Effekt hat oder ob die Etablierung eigener Inhalte nicht doch eine bessere Investition darstellt. Essenziell bei der Erstellung eigener Inhalte ist die Unabhängigkeit vom Kerngeschäft. Nichts ist rufschädigender als Schleichwerbung.

4. Netflix und RedBull zeigen, wie es funktionieren kann

Alles was Unternehmen produzieren ist Eigenwerbung? Von wegen. Netflix zeigt mit House of Cards, dass auch „klassische“ Unternehmen hochwertige und anspruchsvolle Serien produzieren können. RedBull beweist, dass auch ein Energy Drink Hersteller einen Fernsehsender (ServusTV) betreiben kann. Die Grenzen zwischen Medienunternehmen und „klassischen“ Unternehmen verschwimmen zunehmend. Die fortschreitende Digitalisierung beschleunigt diesen Prozess noch.

5. Nicht für alle geeignet

Natürlich ist diese Art der Content Erstellung nicht für alle Unternehmen geeignet und ziemlich kosten intensiv. Die ersten zwei Staffeln House of Cards sollen insgesamt 100 Millionen Dollar gekostet haben. Trotzdem hat sich die Investition für Netflix gelohnt. Mehr als 2 Millionen Abonennten konnte Netflix allein im 1. Quartal 2013 kurz nach Serienstart dazu gewinnen. Diese Zahlen belegen, dass sich die Investitionen in eigene Inhalte auch für deutsche Unternehmen nachhaltig lohnen könnte. Warum produziert die Deutsche Telekom AG beispielsweise keine eigene Serie für den IPTV-Dienst Entertain? Eine spannende Geschichte, in der Hauptrolle Christoph Waltz und die Abo-Zahlen würden in die Höhe schießen. 🙂 Dieses Beispiel ist natürlich auch auf andere deutsche Unternehmen projizierbar.

6. Deutsche Unternehmen sollten mutiger werden

Die Fernsehlandschaft in Deutschland besteht heute nur noch aus den drei großen Playern. (RTL Group, ProSiebenSat1 Media AG und den Öffentlich-rechtlichen) Im Fokus dieser Marktführer steht vor allem die Kostenoptimierung. Die Folge sind Scripted Reality-Formate die kostengünstig zu produzieren sind aber trotzdem noch eine gewissene Reichweite erreichen, um die Werbekunden nicht zu verprellen. Wirkliche Innovationen gab es in dieser Konstellation schon lange nicht mehr. Auch die Meinung des Zuschauers spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. In dieser Situation besteht die große Chance eigene Plattformen und Inhalte zu etablieren. Der klassische Werbefilm wie er heute existiert ist nur noch in Sonderfällen gut investiertes Geld. Schlechte TV-Werbung gepaart mit schlechten Inhalten ist Gift für das Medium Fernsehen. Mit Kreativität und Investionen in innovative Fernseh- bzw. Webserien könnten deutsche Unternehmen viel effektiveres Marketing (Product Placement) betreiben als mit klassischer Fernsehwerbung. Die Inhalte selbst zu kontrollieren wird in Zukunft über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Eric

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Social Media verrückt, wissensdurstig und immer auf der Suche nach den neuesten Trends.
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