Wie ich wahrscheinlich ein Unwetter-Video (Sturmtief Xavier) aus Braunschweig in die tagesschau gebracht habe und warum ich darüber nicht ganz glücklich bin.

Screenshot: tagesschau (c) Kai Gatz

 

Wie ihr vielleicht wisst, betreibe ich seit August 2015 das Braunschweiger Lokalmagazin BS-Feed. Als am 05. Oktober 2017 das Sturmtief Xavier auch über Braunschweig hinweg zog, machte ein alter Schulkamerad zufällig die oben abgebildete Video-Aufnahme. Um 14:29 Uhr stellte er das Video auf Facebook online. Schon 15 Minuten später fragte ich ihn, ob ich das Video auf BS-Feed teilen dürfte.


 

(c) Kai Gatz

 

Circa eine Stunde später teilte das Video auch die Braunschweiger Zeitung.

 

(c) Kai Gatz

 

Wieder eine knappe Stunde später zog 89.0 RTL nach.

 

(c) Kai Gatz

 

Antenne Niedersachsen brachte das Video am späten Abend.

 

(c) Kai Gatz

 

In der tagesschau wurde es am 06.10.2017 in den 20 Uhr Nachrichten gebracht.

 

Screenshot: tagesschau (c) Kai Gatz

 
Selbstverständlich ist man als Social Media-Enthusiast erst einmal stolz über eine solche Erfolgsgeschichte. Schließlich entwickelte sich das Video wahrscheinlich erst nachdem es von mir geteilt wurde zu einem viralen Phänomen. Trotzdem bin ich im Nachhinein eigentlich nicht glücklich darüber so gehandelt zu haben. Ich habe mich ähnlich wie viele Social Media Manager und Online-Journalisten nur auf die möglichen Klickzahlen, Kommentare und Reichweiten konzentriert anstatt kurz zu reflektieren, ob ich damit nicht einem System in die Karten spiele, dass eigentlich nicht so stark sein sollte, wie es heute ist. Immer häufiger unterwirft sich der klassische Journalismus und dementsprechend natürlich auch kommerzielle Inhalte-Ersteller der Funktionslogik der sozialen Netzwerke. In einem immer härter geführten Wettbewerb kommt es auf Schnelligkeit an. Schon ein paar Minuten können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Wichtig ist zudem natürlich auch eine knackige Überschrift, damit möglichst viele Nutzer aufmerksam werden. Immer seltener wird dabei überprüft, ob die Nachricht wirklich wichtig ist oder einfach nur dazu dient maximalen „Buzz“ zu erzeugen.

Das Beispiel zeigt aber noch etwas viel dramatischeres. Auf der einen Seite verurteilt unsere Gesellschaft „Gaffer“ -zu denen ich mit der Veröffentlichung des Videos zweifelsfrei gehöre- und auf der anderen Seite honoriert sie ebendiese, indem sie Schock-Videos über Katastrophen oder Beinahe-Katastrophen teilt.

Vermutlich werde ich aber auch das nächste Video wieder teilen, aus Angst nicht der schnellste zu sein. Ein Teufelskreis.

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