„Ich glaube, dass ich mich mittlerweile selbst gefunden habe und das möglichweise auch transportiere“ Ein Gespräch mit der Instagramerin (@lillalivetandme, 18,7k Abos)

Foto: lillalivetandme
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Ein sehr persönliches und inspirierendes Gespräch mit der Instagramerin @lillalivetandme. Viel Spaß beim lesen.


Erzähl uns doch erstmal ein bisschen über dich, was machst Du beruflich und was sind deine Hobbies?

Hallo oder hei!

Mein Name ist Niina, ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Katzen und wohne mit meiner Familie in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kiel. Halbtags arbeite ich in einem Wirtschaftsunternehmen. Die andere Hälfte des Tages verbringe ich mit meinen Kindern und was man alles so macht, wenn man einen Haushalt mit Haus und Garten hat. In meiner Freizeit treffe ich mich mit Freundinnen oder jage schöne Motive in meiner Umgebung.

Warum hast Du dich eigentlich bei Instagram angemeldet und wann war das?

Bei Instagram bin ich seit 2012. Ich habe mich damals nach der Geburt meiner Tochter angemeldet. Zunächst nur aus Interesse und mit einem nicht öffentlichen Profil. Dort habe ich mit einigen Familienmitgliedern Bilder geteilt, hauptsächlich Familien- und Urlaubsbilder. Aus der Zeit existiert nur noch das allererste Bild. Alle anderen habe ich mittlerweile wieder gelöscht. Im Dezember 2014 habe ich dann mein Profil geöffnet und auch angefangen Hashtags zu verwenden. Am Anfang waren es Momente aus meinem Alltag mit meiner Tochter. Zu der Zeit hatte ich sogar einen Blog, indem ich über einige Dinge geschrieben habe, die mich bewegt haben. Es ging zum Beispiel um meine lange Stillzeit oder um meinen Schlaganfall, den ich vor einigen Jahren hatte. Aber schon nach kurzer Zeit habe ich festgestellt, dass die Mami-Blogger-Schiene nicht so meine Welt ist. Die Darstellung meiner Kinder und unseres Alltags im World Wide Web fühlte sich für mich nicht richtig an. Zumal der missbräuchliche Umgang mit Bildern auf Instagram einfach ein zu großes Problem ist. Daher haben mein Mann und ich uns darüber geeinigt , unsere Tochter nicht mehr so viel zu zeigen. So bin ich langsam vom reinen Mami- Alltag weg und habe angefangen andere Momente festzuhalten und sogar Bilder zu entwickeln.

Was fasziniert dich an Instagram?

Ich bin der totale Insta-Junkie. Ja wirklich. Instagram ist einfach eine fantastische, große Welt voller Möglichkeiten. Ich kann mit Hilfe der Hashtags sehen, wonach mir gerade ist. Und ich kann Kontakt zu Menschen auf der ganzen Welt bekommen und mich austauschen. Wenn ich heute Instagram öffne, möchte ich inspiriert werden, Sehnsucht stillen, Neues sehen, einfach abtauchen.

Wie hast Du es deiner Meinung nach geschafft fast 19.000 Abonnenten zu generieren?

Wie ich 19.000 Follower bekommen habe, ist mir auch noch ein kleines Rätsel. Und so ganz verstehe ich Insta auch immer noch nicht. Ja natürlich, mit Blumenbildern kann man nie etwas verkehrt machen. Und andere funktionierende Themen greife ich ja auch auf. Auf der anderen Seite, sind das aber auch die Bilder, die mir bei anderen gut gefallen und mir Spaß machen. Ich glaube, dass ich mich mittlerweile selbst gefunden habe und das möglichweise auch transportiere. Auch wenn Insta nicht die reale Welt ist, liegt es ja in meiner Hand, wie „echt“ ich bin. Meine Interessen und Vorlieben sind aber auch nicht fest. Ich merke schon, wie Insta mich beeinflusst und sich dadurch auch meine Aufmerksamkeit für Momente verändert. Ich finde das sehr spannend, was ich im Laufe des Jahres alles „neu“ entdeckt habe. Um „Erfolg“ zu haben, muss man viel Zeit investieren, das ist schon so. Das tue ich auf alle Fälle. Es wird aber von Freunden und Familie durchaus kritisch betrachtet. Und dann gelten in Insta dieselben Umgangsformen, wie im wahren Leben auch. Wer nett und freundlich ist und die Arbeit der anderen Instagrammer unterstützt, erhält auch positives Feedback zurück.

morning vibes . . . good morning and happy new week ☕️💜 #littlebubbleslove

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Inzwischen kommen bestimmt auch Unternehmen auf dich zu, um mit dir zu kooperieren. Kannst Du uns ein paar Beispiele nennen? Nach welchen Kriterien entscheidest Du, ob Du eine Kooperation eingehst?

Ja, ich bekomme Anfragen. Aber ich habe bisher erst eine angenommen. Ich komme mir dabei irgendwie doof vor. Über eine Sockenkampagne habe ich länger nachgedacht, mich aber dann dagegen entschieden und bin im Nachhinein sehr froh darüber. Mich nervt die PR auf Insta für bestimmte Produkte mittlerweile sehr. Ich kann eine bestimmte Uhr z.B. nicht mehr sehen. Grundsätzlich bin ich aber nicht abgeneigt, es muss jedoch zu mir passen. Bei Reisen, Geschirr oder Blumen würde ich wahrscheinlich nicht „Nein“ sagen 😉

Welche Tipps würdest Du Unternehmen geben, die frisch mit Instagram beginnen?

Ich finde es schwer, Unternehmen Tipps zu geben. Die haben ja noch andere Absichten. Für die ist Instagram einfach eine weitere Werbeplattform. Ich persönlich würde mich an IKEA orientieren. Die holen ihre Kunden emotional ab und sind authentisch. Ich glaube, man muss gucken, wie weit man mit dem Trend mitgehen, aber seinem Unternehmensprofil treu bleiben kann. Aber ich bin leider keine Medienexpertin.

Postest Du einfach nur so oder machst Du dir vorher Gedanken? Erzähl mal, wie läuft dein Kreativprozess ab?

Ich poste nie nur so. Habe ich noch nie. Ich schaue mir das Bild immer vorher an und bearbeite es im Zweifel. Mittlerweile habe ich aber mein Mojo gefunden. Ich weiß, was ich mag und zeigen möchte. Ich könnte täglich so viel mehr Bilder zeigen, weil auf meinem IPhone bestimmt 10.000 Bilder und Videos sind. Da picke ich mir dann was raus. Es ist aber ganz unterschiedlich. Manchmal sind es spontane Momente, die ich dann auch umgehend zeige. Oder aber ich sehe etwas, das ich schön finde, dann halte ich es fest und zeige es zu einem späteren Zeitpunkt. Mittlerweile ist eine Idee zu haben und weiter zu entwickeln, zu fotografieren und editieren und letztlich, vielleicht noch mit passenden Worten geschmückt zu posten, ein Hobby geworden. Und wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin und plötzlich sage: “ Halt, das muss ich fotografieren!“, dann rollen die heimlich schon mit den Augen. Gerne spiele ich rum, lege Blumen auf den Tisch oder stelle etwas zusammen. Hier werde ich sehr stark durch andere Instagrammer inspiriert und manchmal ist es nicht leicht, etwas Ähnliches und doch anderes zu machen. Es kommt vor, dass ich etwas sehe und denke, dass ich auch so ein Bild haben, aber ja nicht nachmachen möchte. Die Grenze zwischen eigener Kreativität und Inspiration durch andere verwischt schnell. Es ist aber mittlerweile wesentlich leichter zu posten. Vor einem Jahr habe ich noch überlegt, was ich zeigen könnte. Heute ist es schon so, dass ich überlege, was ich zeigen möchte. Manchmal fallen so schöne Bilder unter den Tisch, weil ich keine „Zeit“ hatte es zu zeigen 😉 Ich glaube, man muss sich auch einfach etwas locker machen. Einfach raus damit, nicht so viel grübeln. Das fällt mir aber auch nicht immer so leicht. Letztlich muss das Bild aber in das Gesamtkonzept, das sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, passen. Ich plane meine Bilder tatsächlich insofern, als dass ich schaue, ob das neue Bild gut zu den anderen aussieht. Ich bin nämlich eine kleine Perfektionistin und möchte in erster Linie, dass mein Feed MIR gefällt.

a very merry unbirthday party🎩 #littlebubbleslove

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Wie viel Zeit fließt wöchentlich ca. in deinen Instagram Auftritt?

Ganz ehrlich. Zu viel.

Wie bearbeitest Du deine Fotos?

Meine Bildbearbeitung ist mittlerweile ein Teil des Spaßes geworden. Obwohl es natürlich auf die Basis ankommt. Je besser ich knipse, desto weniger muss ich machen. Ich mag den Vorher/nachher Vergleich sehr. Ich bin immer wieder erstaunt, was ich als Laie mit kleinen Handyapps schon so alles machen kann. Ich benutze VSCO, die Instagram App und PicsArt. Für meine kleinen Filmchen verwende ich iMovie. Ich mache meist viele Bilder von einem Motiv. Zu Hause schaue ich dann, mit welchem Bild ich etwas anfangen kann. Dann verändere ich Ausschnitte oder den Farbton des Bildes, versuche mit Tiefenschärfe zu arbeiten oder mit Licht und Schatten. Es kommt aber alles aus dem Bauch heraus. Oft bearbeite ich Bilder zu einem viel späteren Zeitpunkt nochmal und es kommt wieder etwas anderes dabei heraus. Je nach Stimmung und Tagesform. Mir macht das viel Spass und ich freue mich, wenn es so funktioniert hat, wie ich es mir vorstelle. Manchmal überlege ich, ob ich mir nicht vielleicht doch mal eine richtige Kamera (liebäugel mit einer Olympus Pen) zulegen soll. Aber vielleicht geht das unbefangene Geknipse dabei verloren?

Wem folgst du am liebsten auf Instagram?

Ich folge am liebsten Accounts, die mich inspirieren und im besten Fall ein netter Kontakt entsteht. Ich mag gerne Accounts aus dem Norden oder England. Ich mag Blumen und Natur, tablesituations und Kaffeetassen und einen bestimmten Lebensstil. Hauptsache es sind schöne Bilder. Ich möchte mich von meinem Alltag gerne ablenken lassen. Vor allem mag ich Instagrammer, die unaufdringlich sind. Da meine Schwester @tiinu.liinu und ich in verschiedenen Städten leben, ist es so schön, dass sie auch bei Instagram ist. Sie ist natürlich einer meiner Lieblingsaccounts.

Was bedeuten Dir deine Follower?

Schwer zu sagen. Mittlerweile sind es 19.000 Follower. Das ist verrückt. Total absurd. Mir bedeuten meine „Freundschaften“, der Austausch mit den Menschen, denen ich folge aber mehr. Allerdings es ist schon toll, wenn ich einen Moment eingefangen habe, der anderen auch gut gefällt. Es wäre gelogen, wenn mir die Likezahl unwichtig wäre. Aber ich habe noch nie ein Bild zurück genommen oder noch mal zu einem anderen Zeitpunkt gepostet, nur weil es nicht gut ankam. Das machen ja viele. Wenn mir die Zahl der Follower total unwichtig wäre, hätte ich mein Profil nicht geöffnet. Aber auch darum geht es nicht so richtig. Private Profile interessieren mich nicht wirklich. Ich komme doch nur in den Kontakt mit anderen, wenn ich auch sehe, was derjenige postet. Ich frage niemals bei einem geschlossen Profil an, wenn ich nicht weiß, was mich erwartet.

Wie interagierst Du mit deinen Followern?

Im Laufe der letzten Monate habe ich tolle Menschen kennen gelernt. Aus einigen sind Freundschaften mit tatsächlich realen Treffen entstanden. Mit anderen kommuniziere ich aber aufgrund der Distanz nur über Email, WhatsApp oder Telefon. Lange hatte ich das Gefühl gehabt, mich für jedes Kommentar bedanken zu müssen, bin aber natürlich zeitlich an meine Grenzen gestoßen. Heute bedanke ich mich selten, was nicht bedeutet, dass mir Kommentare egal sind. Tatsächlich dauert es einfach zu lange, sich bei jedem zu bedanken. Aber hin und wieder nehme ich mir vor, es doch zu tun. Aber das mache ich spontan, wenn die Zeit da ist. Es ist einfach wirklich schön, all die lieben Kommentare zu lesen.

Hast Du noch einen Insider Tipp für uns?

Community ist der Schlüssel. Du wirst keinen Erfolg haben, wenn du nicht bereit bist, dich mit den anderen Instagrammern auszutauschen. Das wichtigste aber ist: Instagram ist nicht die reale Welt. Daran muss man denken. Aber ich glaube, es ist hilfreich, möglichst „echt“ zu sein. Wenn man seinen „Ruhm“ nicht dem Zufall überlassen will, dann muss man wohl gewisse Regeln einhalten. Dabei kommt es auf den Zeitpunkt eines Posts, sinnvolle Nutzung von Hashtags und auch die eigene Aktivität an. Zuletzt gibt es natürlich Motive, die einfach Trend sind. Blumen und Kaffeetassen zum Beispiel. Aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass man sich nicht verstellen kann, bzw. sollte. Das merkt man irgendwie, wenn die Bilder nicht zu dem Menschen passen. Und die Qualität des Bildes ist meiner Meinung nach auch entscheidend. Es muss kein perfektes Bild sein, aber es ist hilfreich, wenn es ein gutes Bild ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Eric

Eric

Social Media verrückt, wissensdurstig und immer auf der Suche nach den neuesten Trends.
Eric

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