[Praxistipp] Ich starte einen Kochkanal auf YouTube -Teil 1-

Youtube-Kanal
 
In den letzten Jahren hat sich YouTube grundlegend verändert. Immer mehr des auf YouTube verfügbaren Contents wird professionell erstellt. Immer mehr YouTuber können von ihrem Engagement leben. YouTube entwickelt sich so zum größten Konkurrenten des klassichen Fernsehens. Wie schon in meinem letzten Beitrag beschrieben, wird 2018 der Bereich Mobile Video 69,1% des gesamten mobilen Datenverkehrs ausmachen. Unternehmen sollten sich deshalb schon heute eine Strategie überlegen, denn die Konkurrenz wird immer größer. Um YouTube einmal von der praktischen Seite kennen zu lernen, habe ich vor ca. 3 Wochen einen eigenen YouTube-Kanal gestartet. Der Aufbau und die Entwicklung dieses YouTube-Kanals möchte ich in diesem und in den nächsten Beiträgen beschreiben.

1. Ideenfindung

Einen YouTube-Kanal zu erstellen ist nicht schwer. Ein tragfähiges Konzept zu entwickeln dagegen schon. Zu aller erst habe ich mir deshalb überlegt, welches Thema ich behandeln möchte. Da ich selbst nicht gerne vor der Kamera stehe musste ich ein Konzept entwickeln, das auch ohne Erklärungen funktioniert. Meine Freundin und ich kochen leidenschaftlich gern, weshalb ich mich ziemlich schnell für ein Kochmagazin entschieden habe. Eine kurze Recherche zeigte mir, dass es schon viele professionelle und semi-professionelle Kochkänale auf YouTube gibt. Das macht aber nichts, denn es besteht schließlich immer die Möglichkeit etwas anders zu machen. Wichtig bei der Auswahl eines Themas ist vor allem, ob man mit Herzblut bei der Sache ist. Eine Frage, die man sich immer stellen sollte lautet: „Würde ich die Videos auch dann anschauen, wenn ich an der Produktion nicht beteiligt wäre?“ lautet die Antwort nein, sollte man nachbessern.

2. Naming und Corporate Design

Das Naming ist einer der schwierigsten und wichtigsten Punkte in der Markenentwicklung. Komischerweise hatte ich von Anfang an „Tastemania“ bzw. „Tastymania“ im Kopf. „Taste, Tasty“ (Englisch) bedeutet Geschmack, lecker sowie schmackhaft und „Mania“ steht für Manie und Wahnsinn. Ein leckerer Wahnsinn also. Beim Logo- und Claimdesign habe ich mich vom Vintage-Stil beeinflussen lassen. Die Fotografien orientieren sich am Instagram-Stil.

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3. Audiovisuelles Konzept

Die meisten Kochvideos auf YouTube sind länger als 5 min und beinhalten viele Erklärungen. Ein Kochvideo sollte meiner Meinung nach kurz und knackig sein. Lange Vorspänne und viel „gequatsche“ nerven mich. Die Grundstimmung meiner Videos soll freundlich, hell und fröhlich sein. Gefilmt wird deshalb immer nur mittags und nie abends. Künstliche Lichtquellen ergeben für mich kein stimmiges Gesamtbild. Als Stilmittel setze ich viele Nahaufnahmen ein. Ein gutes Tool um lizenzfreie Musik zu beziehen ist die YouTube Audio Library.

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Screenshot: Mexikanischer Schichtsalat

4. Das Equipment

Kamera: Canon EOS 600D. Videobearbeitung: Adobe After Effects CS6.

5. Das Ergebnis

Zusammen konnten alle Videos bisher 267 Aufrufe (Stand: 12.12.2014) generieren. Mit der Entwicklung bin ich insgesamt sehr zufrieden. Jeder YouTuber hat einmal klein angefangen. Geduld und Kontinuität sind die Eckpfeiler des Erfolges. Über zusätzliche Abonnenten würde ich mich natürlich sehr freuen. 😉 Hier geht’s zum Tastymania YouTube Kanal. P.S. im nächsten Beitrag zeige ich, wie ich für den Kanal werbe.

Bunte Gemüsequiche mit Curry


 

Winterlicher Apfelkuchen


 

Fingerfood: Pestobrötchen mit Tomate und Mozzarella


 

Mexikanischer Schichtsalat


 

Bratapfel-Brombeer Konfitüre

Die Video Marketing Trends für 2015

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Video Marketing wird immer wichtiger. Die beiden Plattformen Facebook und YouTube kämpfen um die Vorherrschaft der Zuschauer und der Werbetreibenden aber auch neuere soziale Netzwerke wie Vine, Instagram und Snapchat wollen ein Stück vom großen Kuchen. Wenn es um die monatlichen Views im Desktop-Bereich geht, hat Facebook Youtube gerade überholt. Das bedeutet natürlich nicht, dass YouTube an Relevanz verliert.

Quelle: http://www.digitalstrategyconsulting.com/netimperative/news/2014/10/facebook_overtakes_youtube_for_pc_video_views_but_still_lags_on_mobile.php
Quelle: http://bit.ly/1w3tAHJ

2018 wird laut Cisco der Bereich Mobile Video 69,1% des gesamten mobilen Datenverkehrs ausmachen. Unternehmen sollten sich deshalb schon heute eine Strategie überlegen.

Cisco Datenverkehr

Ausschlaggebend für den Erfolg auf beiden Plattformen ist guter und zielgruppengerechter Content. Nervtötende „Overlay-In-Video-Anzeigen“ sowie „TrueView In-Stream-Anzeigen“ z.B. auf YouTube sind damit nicht gemeint. Nur 15 – 20% der „skippable – Ads“ werden bis zum Ende angeschaut. Kein Wunder TV-Werbung lässt sich eben nicht einfach auf ein neues Medium übertragen. TV Werbung zu adaptieren ist reine Zeit- und Geldverschwendung. Viel effektiver ist das produzieren eigener Inhalte, die den Zuschauern einen Mehrwert bieten und zum Wesen der jeweiligen Plattform passen. Wenn etwas auf YouTube funktioniert, bedeutet dies nicht, dass es auch automatisch auf Vine funktioniert.

Eines der wenigen deutschen Unternehmen, das YouTube verstanden hat ist: Rossmann. Mit Make-Up und Beauty-Tipps richtet sich der YouTube-Kanal vor allem an weibliche Zuschauer. Rossmann versteht es, die eigenen Produkte innerhalb der Videos geschickt zu platzieren. Bis heute konnte Rossmann so fast 10.000 Abonnenten für sich gewinnen. Aber nicht nur Unternehmen verstärken so die Strahlkraft ihrer Marke auch bekannte YouTuber professionalisieren sich und werden so zu einer profitablen Marke. Laut Percolate testet YouTube zudem „Video Interactivity Templates“ damit Zuschauer Produkte nun direkt über YouTube kaufen können. YouTube entwickelt sich damit immer mehr zu einer Social Commerce Plattform.

Besonders lesenswert ist in diesem Zusammenhang die aktuelle Ausgabe der Business Punk: YouTube im Goldrausch: Die Videoplattform erfindet sich neu – als effizienteste Werbemaschine der Welt sowie die aktuelle deutsche Ausgabe des Wired-Magazins: Titelgeschichte: Inside YouTube. Wie Deutschlands Videoblogger die Entertainment-Branche aufmischen.
 

[Infografik] 10 Video Marketing Trends for 2015

Video Marketing Trends

YouTube: Die Erfolgsgeschichte von Horst Lüning

Mit erwartungsfrohem Blick senkt sich seine Nase in das Tastingglas. Dieses Mal sind es malzige und Zitrusfruchtartige Noten, die er wahrnimmt. Danach eine kurze Anekdote zur Herstellungsweise und warum dieser Whisky gerade genau diese Geruchsnoten besitzt. Der Zuschauer fiebert der Geschmacksprüfung entgegen und wird ungeduldig. Endlich der erste Schluck. Seine Augen schließen sich, er riecht nochmal, wippt im Stuhl hin und her und dann das erste Fazit. „Perfekt. Rund. Malzig. Fruchtig“. Er nimmt einen zweiten Schluck, dann einen dritten. Der erfahrene Zuschauer weiß spätestens jetzt. Dieser Whisky ist ein ganz großer.

Horst Lüning in seinem Element.
Horst Lüning in seinem Element.

Deutschsprachige Whiskygenießer kommen an Horst Lüning nicht vorbei. Der diplomierte Luft- und Raumfahrttechniker produziert nun schon seit fast 7 Jahren eine der bekanntesten Whisky-Tasting-Reihen auf YouTube. Mit 14.000 Abonnenten und ca. 10 Millionen Videoaufrufen hat er etwas geschafft, wovon viele E-Commerce Betreiber nur träumen: Loyale Kunden und eine lebhafte Community.

Doch wie erklärt sich sein Erfolg? Schon Ende 2007 veröffentlichte Horst Lüning das erste Tastingvideo. Ziemlich früh erkannte er das Potential von YouTube als Absatzkanal. Hauptargument ist jedoch ein anderes. Er bietet den Kunden einen Service, der mit Geld nicht zu bezahlen ist. Orientierung und Beratung. Es gibt unzählige Whiskysorten mit teils sehr großen geschmacklichen unterschieden. Anstatt die Produkte wie viele andere einfach nur mit Bildern und Worten zu beschreiben macht er sie erlebbar. An seiner Mimik und Gestik kann der Kunde ablesen ob ein Whisky gut oder herausragend ist. Der Skeptiker könnte einwerfen: Geschmack ist subjektiv doch Herr Lüning hat sich zu einer wahren Instanz entwickelt und hat beim Kunden einen so hohen Stellenwert, dass sein Urteil über Kauf und nicht Kauf entscheiden kann. Genau dieser Aspekt macht die Sache interessant. Er bewertet die Produkte, die er verkaufen möchte und das mit größtmöglicher Hingabe und Neutralität. Der Kunde merkt, dass es nicht nur um Verkauf und Werbung sondern tatsächlich um die Bedürfnisse und die Beratung des Kunden geht.

Sobald man das erste Video gesehen hat ist man infiziert. Durch die Verlinkung der Videos untereinander fällt es schwer mit dem konsumieren aufzuhören. Ziemlich schnell hat man das Gefühl einem bekannten ja sogar vertrauten zu lauschen. Doch auch hinter dieser Erfolgsgeschichte steht Kalkulation und harte Arbeit. Social Media ist ein Full-Time Job und diesen füllt Herr Lüning mit Bravur aus. Er beantwortet fragen und steht rund um die Uhr zur Verfügung. In einer immer schneller und lauter werdenden Welt eine gute wenn nicht die beste Möglichkeit sich von der Konkurrenz abzusetzen. Der Kunde wird tagtäglich mit Informationen bombardiert die ihn gar nicht interessieren. Fernsehwerbung, E-Mail Marketing, Werbebanner, Werbung auf YouTube. Immer wieder wird der Konsument dazu gezwungen seine Tätigkeit auf dem jeweiligen Medium zu unterbrechen. Ad-Blocker und andere Schutzmaßnahmen sind die Folge. Klassische Werbung ist lästig und selten wirklich informativ. Kommunizieren Sie stattdessen wie ein Mensch und nicht wie eine Verkaufsmaschine. Ihre Kunden werden es Ihnen danken.

Interview mit Horst Lüning. (www.whisky.de)

Sehr geehrter Herr Lüning. Seit Ende 2007 verkosten Sie Whisky auf YouTube. Wann haben Sie das Potenzial von YouTube für Ihr Unternehmen erkannt?

Das Potenzial war mir bereits seit der Übernahme von YouTube durch Google bewusst geworden. Das war Ende 2006. Darum begann ich dann mit dem Aufnehmen der Videos 2007.

Gab es ein Ereignis, dass Sie inspiriert hat?

Ja unbedingt! Der ganze Spott und die Häme nach meinem ersten, missglückten Video. Damit war mir klar, dass sehr viele mein Video gesehen hatten und dass die Bereitschaft Videos zu konsumieren tatsächlich vorhanden war.

Haben Sie sich eine Strategie überlegt? Oder haben Sie einfach losgelegt?

Erlauben Sie mir eine flotte Ausdrucksweise. Ich gehe noch nicht mal ohne Plan auf die Toilette. Von Anfang an war mir klar, dass es eine Mehrfachnutzung des Contents geben musste. Also Blog und Integration in den Shop von www.whisky.de

Wie waren die Anfänge und haben Sie damals an den Erfolg geglaubt?

Anfangs habe ich sehr wenige Videos gedreht und ständig Feinheiten verändert. Allein die Abstimmung der Kamera auf die schlechten Lichtverhältnisse hat lange gedauert. Noch länger hat jedoch meine Eingewöhnung ans Reden in die schwarze Linse gedauert. Ich war es von meiner früheren Tätigkeit gewohnt vor Hunderten und Tausenden im Publikum zu sprechen. Doch vor einer schwarzen Linse, dass war für mich sehr speziell.

Gab es Tage bzw. Folgen nach denen Sie aufhören wollten?

Nie. Wenn man ein ordentliches Controlling in seinem Kanal macht, dann sieht man, wann man aufhören muss. In wenigen Monaten werde ich das 1.000 Videos online stellen und mit allen Videos die 10. Mio. Aufrufe überschritten haben. Aktuell habe ich 14.000 Abonnenten und 37.000 positive Bewertungen. Und es ging und geht ausschließlich aufwärts. Wer will da ans Aufhören denken?

Mit dem Erfolg kommen auch immer die Werbetreibenden und Unternehmen. Gab es versuche Ihre Meinung in eine bestimmte Richtung zu lenken und wenn ja welche?

Am meisten versuchten sich die üblichen Bremser in der Gesellschaft mir den Erfolg madig zu machen und mich zum aufhören zu überreden. Solche Menschen werden nur froh, wenn sie andere runter machen können. Aktuell veröffentliche ich in noch größerem Maßstab Videos auf www.whisky.com. Hier soll die Zuschauerzahl zehnmal so hoch werden. Das wichtigste dabei ist seine Unabhängigkeit zu behalten. Sowohl Unabhängigkeit von den Werbetreibenden, unseren Lieferanten im The Whisky Store aber auch von den Zusehern. Nur 1% der Zuseher beteiligt sich aktiv an Diskussionen. Das ist nicht repräsentativ zum Zuschauer. Sie dürfen nicht beratungsresistent sein. Sie dürfen aber auch nicht den Leuten blind folgen.

Sie haben etwas geschafft, wovon jeder Shopbetreiber träumt, Sie haben eine loyale Community aufgebaut. Wie haben Sie das nach Ihrer Meinung geschafft?

Ehrlichkeit und Authentizität. Nicht glattgebügelt und unnahbar, sondern nah und durchaus streitbar. Dazu trägt auch mein dritter Videokanal, das UnterBlog (Unternehmer Blog), bei. Auch hier baut sich mit jetzt 500 Videos nach dem bekannten Muster rapide eine neue Community auf. Jedem Shopbetreiber kann ich raten, mit einfachem Setting und vergleichsweise preiswert und hemdsärmelig sein Wissen vor laufender Kamera zu präsentieren. Genau an dieser Stelle punktet man am Ende gegenüber dem konkurrierenden stationären Händler. Der weiß auch nicht mehr als der Shopbetreiber, kann aber nur zu Ladenöffnungszeiten beraten. Per Video können Sie das rund um die Uhr.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit dem Start auf YouTube entwickelt?

Es ist schwer zu sagen, welche Marketingaktivitäten welchen Einfluss haben. Sicherlich tragen die Videos nachhaltig zum double-digit Wachstum bei.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zum Abschluss noch ein Verkostungsbeispiel: